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Regelmäßig rücken spektakuläre Fälle von Sexualkriminalität in den Fokus öffentlicher Wahrnehmung. In der öffentlichen Debatte um den richtigen Umgang mit Sexualstraftätern fordern viele von der Politik eine Verschärfung der bestehenden Sanktionen. Beim Gesetzgeber gewinnt aber auch die therapeutische Behandlung von Straftätern mittlerweile an Bedeutung. Viele Studien weisen nämlich darauf hin, dass die richtige psychotherapeutische Behandlung Rückfälle von Sexualstraftätern effektiv verhindern kann. Jedoch hängt der tatsächliche Erfolg einer solchen Behandlung von vielen Faktoren ab, wie beispielsweise von Merkmalen des Täters, der richtigen Therapiemethode und des passenden Behandlungssettings.

Die Gruppe der Sexualstraftäter ist sehr heterogen. Sie unterscheidet sich u. a. hinsichtlich der Deliktformen, der dahinter liegenden psychischen Störungsbilder und letztlich des Gefahrenpotentials. Bei der Auswahl geeigneter Behandlungsmaßnahmen müssen daher viele Aspekte berücksichtigt werden. Generell weisen aktuelle Studien darauf hin, dass die Behandlung von Sexualstraftätern erfolgreicher ist, wenn sie ambulant statt innerhalb des Strafvollzugs durchgeführt wird. Auch aus klinischer Sicht spricht ein offener (und damit realitätsnaher) Behandlungsrahmen in Freiheit für größere Erfolgsaussichten.

Seit einigen Jahren untersuchen Wissenschaftler in Deutschland die Wirksamkeit stationärer und ambulanter Präventionsmaßnahmen in diesem Bereich. Vor diesem Hintergrund hat das NZK zwei Übersichten erstellt: Zum einen über die vorhandenen Erkenntnisse zu den Effekten ambulanter Sexualstraftäterbehandlung und  zum anderen über die Wirksamkeit der stationären Behandlung von Sexualstraftätern in Deutschland.

Extramurale Behandlung und Betreuung von Sexualstraftätern. Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zur Nachsorge-Praxis 2016

Im Lauf der letzten Jahre wurden in Deutschland vermehrt Alternativen zur Straftäterbehandlung im geschlossenen Setting implementiert und extramurale Behandlungsstrukturen ausgebaut. Diese Entwicklung wurde unter anderem durch die Reform der Führungsaufsicht im Jahr 2007 eingeleitet, durch die die ambulante Versorgung psychisch kranker Straftäter einen bereits lange geforderten rechtlichen Rahmen erhalten hatte.
Durch die hieraus entstandenen Modifikationen war eine bundesweite Erfassung der extramuralen Versorgungsstrukturen angezeigt.

Daher führte die Kriminologische Zentralstelle 2017 eine bundesweite Erhebung in Nachsorgeeinrichtungen für (Sexual-)Straftäter durch, mit dem Ziel, den Ist-Zustand der extramuralen Versorgungsstrukturen in Deutschland abzubilden und hieraus Zukunftsperspektiven abzuleiten und zu diskutieren. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem NZK, der Psychotherapeutischen Fachambulanz der Stadtmission Nürnberg sowie dem Zentrum für interdisziplinäre Forensik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt. Den Abschlussbericht des Projekts finden Sie hier.

Weiterführende Literatur

Kontakt

Dieser Themenschwerpunkt wird bearbeitet von:

Davis Adewuyi