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Der Dschihadismus ist gegenwärtig eine der einflussreichsten militanten Ideologien weltweit. Er prägt zahlreiche bewaffnete Konflikte und mobilisiert in vielen Ländern neue Anhänger. Auch in Deutschland versuchen fundamentalistische Gruppen wie der Islamische Staat oder al-Qaida Menschen von Ihrer Weltanschauung zu überzeugen und neue Mitglieder zu rekrutieren. Ihre Ideologie verbindet politische und religiöse Aspekte sehr eng miteinander und macht dadurch politische Angelegenheiten zu einer Glaubensfrage.

Häufig steht am Anfang der Radikalisierung aber gar nicht so sehr die politische (oder religiöse) Dimension der dschihadistischen Ideologie, sondern ganz profane persönliche Erlebnisse, wie z.B. Entfremdung, Diskriminierung, gesellschaftliche Ausgrenzung, schulischer- oder beruflicher Misserfolg oder Mangel an Anerkennung. Entsprechend verläuft die politische Radikalisierung üblicherweise schrittweise und allmählich. Aus Sicht der Prävention ist das die gute Nachricht.

In Deutschland ist die Prävention Islamistischer Radikalisierung ein relativ junger Tätigkeitsbereich. Ein Überblick über die bestehenden Programme, Ansätze und Maßnahmen zeigt, dass es sich dabei um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, an der verschiedene Berufsgruppen mit unterschiedlichen fachlichen Herangehensweisen arbeiten. Das Tätigkeitsfeld umfasst gezielte politische Bildung, Aufgaben der Sicherheitsbehörden, pädagogische und psychologische Arbeit mit vulnerablen Gruppen, und reicht bis hin zur Resozialisierung terroristischer Akteure.

Im Unterschied zu etablierten Präventionsbereichen, wie bspw. der schulischen Gewaltprävention, gibt es für diesen jungen Präventionsbereich wenig empirisch gesicherte Erkenntnis über individuelle und gesellschaftliche Ursachen Islamistischer Radikalisierung und Wege der Deradikalisierung. Ebenso fehlt belastbares Wissen über wirksame Präventionsansätze. Die vorliegenden Evaluationen sind nahezu ausschließlich deskriptiv und lassen daher kaum Rückschlüsse darüber zu, ob und auf welche Weise eine Maßnahme die gewünschte Einstellungs- oder Verhaltensänderung herbeigeführt hat.

Der Begriff „Islamistische Radikalisierung“ ist darüber hinaus wissenschaftlich unklar und politisch umstritten. Das macht es schwierig Präventionsziele konkret zu benennen und verbindliche Erfolgskriterien festzulegen. Islamismus, Salafismus und Dschihadismus sind äußerst vielschichtige und heterogene Ideologien, von deren unterschiedlichen Strömungen unterschiedliche Gefahren für die Innere Sicherheit und den demokratischen Rechtsstaat ausgehen. Unklar ist teilweise auch nach welchen Kriterien Präventionsakteure vorliegende Einstellungen, Positionen und Überzeugungen überhaupt als problematisch definieren und wie sie ihre Arbeit danach ausrichten.

Das NZK hat eine Übersicht über die Ergebnisse abgeschlossener Evaluationsstudien erstellt. Den Bericht finden Sie hier.

Projekt zur Entwicklung von Evaluationskriterien in der Extremismusprävention (EEE)

Das Projekt untersucht welche Effekte von Maßnahmen der Extremismusprävention ausgehen. Bisher ist wenig darüber bekannt, ob die bestehenden Ansätze und Projekte die gewünschte Wirkung haben, d.h. ob sie in der Lage sind besorgniserregende Prozesse der Radikalisierung richtig zu erkennen, zu unterbrechen und notfalls rückgängig zu machen. Daher werden im ersten Projektabschnitt aussagekräftige Indikatoren entwickelt, die Prozesse islamistischer Radikalisierung und De-Radikalisierung abbilden. Sie werden in enger Abstimmung mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Präventionsakteuren entwickelt.

In der zweiten Projektphase werden die Indikatoren in einer exemplarischen Evaluationsstudie eingesetzt, um ihre Praxistauglichkeit und Aussagekraft zu testen. Dabei sollen auch Erkenntnisse über die Wirkungsmechanismen der evaluierten Maßnahme gewonnen werden. Evaluationsstudien verraten, ob ein theoretisch gutgemeinter Präventionsansatz in der Praxis tatsächlich einen spürbaren Unterschied macht, und welche strukturellen Voraussetzungen ein Projekt dafür benötigt. Das Projekt möchte einen Beitrag zur Entwicklung einer Evaluationskultur leisten, um damit dem Ziel einer effektiven und zielgerichteten Extremismusprävention näher zu kommen.

Veröffent­lichungen

Evaluation in der Radikalisierungsprävention. Bericht

Zur Evaluation von Maßnahmen der Prävention von religiöser Radikalisierung in Deutschland. Aufsatz

Evaluation von Ansätzen und Maßnahmen zur Prävention Islamistischer Radikalisierung. Bericht

Weiterführende Literatur

  • Bundeskriminalamt (Hrsg.) (2017): Extremismusprävention in Deutschland - Erhebung und Darstellung der Präventionslandschaft. Modulabschlussbericht, Wiesbaden.
  • Bundeskriminalamt (Hrsg.) (2017): Extremismusprävention in Deutschland - Herausforderungen und Optimierungspotential, Wiesbaden.
  • Bundeszentrale für politische Bildung: Infodienst Radikalisierungsprävention.
  • El-Mafaalani, Aladin et al. (2016): Ansätze und Erfahrungen der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit. HSFK Report Nr. 6/2016 (HSFK-Reportreihe „Salafismus in Deutschland“, hrsg. von Janusz Biene, Christopher Daase, Svenja Gertheiss, Julian Junk, Harald Müller).
  • Feddes, Allard R., Gallucci, Marcello (2015): A Literature Review on Methodology used in Evaluating Effects of Preventive and De-radicalisation Interventions, Journal for Deradicalisation Winter 15/16 Nr. 5.
  • Kiefer, Michael. (2015): Auf dem Weg zur wissensbasierten Radikalisierungsprävention? Neosalafistische Mobilisierung und die Antworten von Staat und Zivilgesellschaft. forum kriminalprävention, 1/2015, 42 - 48.
  • Steffen, Wiebke. (2015). Prävention der salafistischen Radikalisierung. Eine Zustandsbeschreibung der Prävention des internationalen Terrorismus in Deutschland. forum kriminalprävention, 4/2015, 10 - 17 und 52 - 56.

Kontakt

Dieser Themenschwerpunkt wird bearbeitet von:

Mitra Moussa Nabo

Inga Nehlsen

Simone Ullrich

Andreas Armborst