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Für viele Menschen in Deutschland – seien sie Zuschauer  oder Spieler – ist Fußball nach wie vor die „schönste Nebensache der Welt“, weshalb auch (gewaltsame) Konflikte in diesem Rahmen von großem gesellschaftlichem Interesse sind. Im Fokus der Öffentlichkeit standen in der Vergangenheit vor allem Vorfälle im Profibereich, wobei inzwischen auch Gewaltvorkommnisse in den Amateurligen mehr und mehr beleuchtet werden.

Gewalt stellt im Zusammenhang mit Fußball kein neues Phänomen dar. Sowohl das Thema Gewaltprävention im Allgemeinen als auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex sind seit mehreren Jahrzehnten präsent. Bedingt durch die föderale Struktur des deutschen Fußballs waren Präventionsbemühungen in der Vergangenheit weitestgehend dezentral organisiert, wodurch bundesweit ein Potpourri unterschiedlichster Maßnahmen entstanden ist. Auch die Tatsache, dass viele verschiedene Personengruppen (wie z.B. Zuschauer, Trainer/Funktionäre, Schiedsrichter, Eltern oder Ordnungskräfte) zu berücksichtigen sind, trägt zur Ausdifferenzierung des Präventionsangebots bei.

Das Spektrum von Maßnahmen reicht dabei von Fanprojekten und Maßnahmen der Fantrennung über soziale Trainingskurse bis zu Gefährderansprachen.

Trotz einer Vielzahl an Programmen und Einzelmaßnahmen gibt es jedoch kaum kriminologisch fundierte Aussagen zu deren Wirksamkeit, wie die Recherche des NZK zeigt: Es ließen sich insgesamt nur neun Studien aufspüren, die sich (zumindest ansatzweise) mit den Effekten von Präventionsarbeit auseinandersetzen. Aufgrund der methodischen Güte der vorliegenden Arbeiten (z.B. fehlender Vergleichsmaßstab, geringe Gruppengrößen) sind verlässliche Aussagen darüber, welche Maßnahmen tatsächlich Gewaltvorfälle reduzieren können, zum jetzigen Stand nicht möglich.

Das NZK hat eine Übersicht über die Ergebnisse abgeschlossener Evaluationsstudien erstellt. Den Bericht finden Sie hier.

Weiterführende Literatur

  • Anthonj, P., Emrich, E. & Pierdzioch, C. (2015). Zur Dynamik sozialer Probleme im Sport. Eine Analyse der Fangewalt und ihrer Bekämpfung im deutschen Fußball. In: Soziale Probleme 26(1), S. 91-117.

     

  •  Kinzig, J. (2014). Fußballstadien - Arenen der Gewalt? Eine empirische und normative Problemskizze zur Sicherheit der Zuschauer von Spielen des Profifußballs. In: Heger, M., Kelker, B. & Schramm, E. (Hrsg.). Festschrift für Kristian Kühl zum 70. Geburtstag. München: C.H. Beck. S. 923-945.
  • Klose, A. (2016). 25 Jahre Gewaltprävention - Gewalt im Sport am Beispiel Fußball. In: Voß, S. & Marks, E. (Hrsg.). 25 Jahre Gewaltprävention im vereinten Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven. Dokumentation des Symposions an der Alice Salomon Hochschule in Berlin am 18. und 19. Februar 2016 in zwei Bänden, Band I. Berlin: Pro Business GmbH. S. 337-367.
  • Meier, Benjamin (2017). Der Fußballfan: Ein Gewalttäter? Prävention und Repression im Umgang mit Fangewalt. Zürich: Dike Verlag.
  • Straßmaier, S. (2018). Formen kollektiver Gewalt am Beispiel "Hooliganismus". In: Straßmaier, S. & Werbik, H.: Aggression und Gewalt. Theorien, Analysen und Befunde. Berlin/Boston: Walter de Gruyter. S. 351-402.
  • Vester, T. (2014). Immer häufiger, immer brutaler? Ein Überblick zur Entwicklung des Gewaltaufkommens im Amateurfußball. In: Kriminalistik (68)10, S. 572-576

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Marcus Kober