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Studienprotokoll
Sexualstraftäter und Maßregelvollzug. Eine empirische Untersuchung zu Legalbewährung und kriminellen Karrieren.

Titel der Studie:

Sexualstraftäter und Maßregelvollzug. Eine empirische Untersuchung zu Legalbewährung und kriminellen Karrieren.

Autor oder Herausgeber:

Nowara, S.

Erscheinungsjahr:

2001

Sprache:

Deutsch

Publikationsart:

Buch/Monographie

Studie online veröffentlicht?

Nein

Name der in der Studie evaluierten Maßnahme(n)

Maßregelvollzug gemäß § 63 StGB, bundesweit

Maßregelvollzug gemäß § 64 StGB, bundesweit

Name der in der Studie evaluierten Präventionsansätze(n)

Stationäre Behandlung

Träger der Maßnahme

Keine Angabe

Durchführende Einrichtung

Kriminologische Zentralstelle e.V.

Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Essen

Auftraggeber der Evaluation

Keine Angabe

Untersuchungszeitraum:

von 1996/10 bis 1997/11

Land

Deutschland

Bundesland

Baden-Württemberg

Bayern

Bremen

Hamburg

Hessen

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Schleswig-Holstein

Kurzbeschreibung der Evaluation

Es handelt sich um einen Bericht, der aus dem Forschungsprojekt Legalbewährung und kriminelle Karrieren von Sexualstraftätern der Kriminologischen Zentralstelle e.V. (KrimZ) hervorgegangen ist. Dabei wurden BZR-Auszüge und Strafakten von sämtlichen Personen ausgewertet, die im Urteilsjahrgang 1987 in der BRD und der DDR wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verurteilt worden waren. Im vorliegenden Bericht wird allerdings nur auf die in der BRD Verurteilten eingegangen, für die Ergebnisse der in der DDR verurteilten Täter wird auf zukünftige Publikationen verwiesen.

Der vorliegende Forschungsbericht befasst sich mit denjenigen Verurteilten, bei denen eine Maßregel der Besserung und Sicherung gemäß §§ 63, 64 StGB angeordnet wurde.
Eine Täterschaft von Frauen ist zwar möglich, die vorliegende Stichprobe setzt sich aber ausschließlich aus männlichen Probanden zusammen. Das mittlere Alter bei Anordnung der Maßregel betrug für die gemäß § 64 StGB Abgeurteilten 30 Jahre (Median) bzw. 28,5 Jahre (Mittelwert). Für die gemäß § 63 StGB mit Bewährung Abgeurteilten betrug das mittlere Alter 36 Jahre (Median) bzw. 39 Jahre (Mittelwert). Bei den ohne Bewährung nach § 63 StGB Abgeurteilten schließlich betrug das mittlere Alter 28 Jahre (Median) bzw. 30 Jahre (Mittelwert).

Es wurde ein einheitliches Bewährungsintervall von 3 Jahren festgelegt. Für das vorliegende Studienprotokoll sind nur die Ergebnisse von Relevanz, die sich mit der Rückfälligkeit nach Behandlungsmaßnahmen im Maßregelvollzug befassen. Dabei handelt es sich um Einzelpsychotherapien, Gruppenpsychotherapien, spezielle Behandlungsprogramme für Sexualstraftäter und soziale Trainingsmaßnahmen. Es werden alle Probanden als Teilnehmer einer Maßnahme bezeichnet, die die Maßnahme zumindest begonnen haben, unabhängig davon, ob sie diese erfolgreich beendet oder abgebrochen haben.

Evaluationstyp i
  • Wirkungsevaluation oder Summative Evaluation
Empirische Methode i
  • Quantitativ
Was wird gemessen? (Effektmaße) i

Direkte Effektmaße

  • Rückfälligkeit im Hellfeld
Wie wird gemessen? (Empirische Daten) i

Sekundärdaten: Quelle der Daten

  • Eintrag Bundeszentral- und/oder Erziehungsregister
  • Justizakten
Wie wird gemessen? (Operationalisierung der Effektmaße) i

keine AngabeDie Bundeszentralregisterauszüge wurden im Oktober 1996 angefordert und im ersten Halbjahr 1997 ausgewertet. Anschließend wurden Strafakten der Bezugsentscheidungen angefordert und ab November 1997 analysiert. Als einschlägige Rückfälligkeit wurden erneute sanktionierte und aus dem BZR ersichtliche Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung definiert.

Die einheitliche Bewährungszeit von 3 Jahren wurde wie folgt gewährleistet: Der Risikozeitraum begann bei Primärbewährung mit der Rechtskraft der Entscheidung, ansonsten mit der Entlassung aus dem Vollzug. Es wurden aber auch Taten, die während des Maßregelvollzugs innerhalb und außerhalb der Einrichtung begangen wurden, als Rückfälle gewertet.

Womit wird verglichen? i

Bezugsgröße / Maßstab für den Effekt der Maßnahme

Mit einer Kontrollgruppe.

Erläuterungen

Im Studienbericht wird ein Extremgruppenvergleich zwischen Legalbewährten und einschlägig Rückfälligen vorgenommen.

Für das vorliegende Studienprotokoll werden die Daten des Extremgruppenvergleichs benutzt, um einen Vergleich anzustellen zwischen Probanden mit und ohne Teilnahme an einer Behandlungsmaßnahme im Maßregelvollzug.

Wie wird die Stichprobe gezogen? i

Nicht repräsentative und qualitative Auswahlverfahren

  • Natürlich vorkommende Gruppe (z.B. Schulklasse; Therapiegruppe)

Wie groß ist die Stichprobe? i

45

Wie groß ist die Grundgesamtheit? i

141

Wie groß ist die Teilnehmerrate oder Rücklaufquote? i

Keine Angabe

Wie groß ist die Abbrecherquote der Teilnehmer? i

Anzahl der Personen:

Keine Angabe

Rate:

Keine Angabe%

Erläuterungen zum Samplingverfahren i

Anhand von BZR-Auszügen wurde die Grundgesamtheit derjenigen ermittelt, die im Urteilsjahrgang 1987 in der BRD wegen eines Deliktes gegen die sexuelle Selbstbestimmung verurteilt worden waren. Der vorliegende Forschungsbericht befasst sich mit denjenigen Verurteilten, bei denen eine Maßregel der Besserung und Sicherung gemäß §§ 63, 64, 66 StGB angeordnet wurde, was eine Grundgesamtheit von N = 141 Fällen ergibt. Von den angeforderten Akten waren 14 bis zum gesetzten Abschlusstermin nicht erhältlich. Bei den 126 ausgewerteten Akten handelte es sich in 11 Fällen um Sicherungsverwahrung nach § 66 StGB, auf die nicht weiter eingegangen wird. Bei 24 Tätern wurde eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gemäß § 64 StGB angeordnet, bei 91 eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach § 63 StGB, mit und ohne Bewährung. Einen Bewährungszeitraum von 6 Jahren wiesen n = 71 Personen auf, davon waren 20 nach § 64 und 51 nach § 63 StGB verurteilt worden.

Da aus den vorhandenen Akten nicht für alle Maßregelpatienten eine Teilnahme an den einzelnen Behandlungsmaßnahmen eindeutig bestätigt bzw. ausgeschlossen werden konnte, ergaben sich für die einzelnen Behandlungsmaßnahmen die folgenden Teilstichproben:

- Einzelpsychotherapie (n = 45); 38 Teilnehmer , 7 Nicht-Teilnehmer
- Gruppenpsychotherapie (n = 42): 25 Teilnehmer, 17 Nicht-Teilnehmer
- Behandlungsmaßnahme für Sexualstraftäter (n = 43): 4 Teilnehmer, 39 Nicht-Teilnehmer
- Soziales Training (n = 43): 10 Teilnehmer, 33 Nicht-Teilnehmer

Offensichtlich gibt es Überschneidungen zwischen diesen Teilstichproben, es ist aber nicht möglich abzuleiten, welche Probanden an mehreren Maßnahmen teilgenommen haben. Auch werden die Ergebnisse der nach § 63 und § 64 StGB untergebrachten Patienten nun wieder zusammengefasst berichtet.

Skalenniveau der abhängigen Variable(n) (Effektgröße) i

Dichotom

Zusammenhangsmaß i

Keine Angabe

Welche weiteren Einflussfaktoren wurden kontrolliert i
  • keine Drittfaktorkontrolle
Wie wurden weitere Einflussfaktoren kontrolliert? i
  • Keine Drittfaktorkontrolle
Ergebnis

Deskriptiv zeigen sich Gruppenunterschiede in der Rückfälligkeit. Aufgrund der Anlage der Untersuchung ist eine Schlussfolgerung bezüglich der kriminalpräventiven Wirksamkeit der Maßnahmen aber nicht möglich.

Welche Ergebnisse erzielt die evaluierte Maßnahme oder der Ansatz? i

Einschlägiger Rückfall der nach § 64 StGB Abgeurteilten (n = 20): 15,0%

Einschlägiger Rückfall aller nach § 63 StGB Abgeurteilten (n = 51): 35,3%

Einschlägiger Rückfall der nach § 63 StGB mit Bewährung Abgeurteilten (n = 19): 26,3%

Einschlägiger Rückfall der nach § 63 StGB ohne Bewährung Abgeurteilten (n = 32): 40,6%

 

Einzelpsychotherapie (n = 45):

- Teilnehmer (n = 38): 23 nicht einschlägig Rückfällige (60,5%); 15 einschlägig Rückfällige (39,5%)

- Nicht-Teilnehmer (n = 7): 7 nicht einschlägig Rückfällige (100%), kein einschlägig Rückfälliger (0%)

 

Gruppenpsychotherapie (n = 42):

- Teilnehmer (n = 25): 17 nicht einschlägig Rückfällige (68,0%); 8 einschlägig Rückfällige (32,0%)

- Nicht-Teilnehmer (n = 17): 10 nicht einschlägig Rückfällige (58,8%); 7 einschlägig Rückfällige (41,2%)

 

Behandlungsmaßnahme für Sexualstraftäter (n = 43):

- Teilnehmer (n = 4): 2 nicht einschlägig Rückfällige (50,0%); 2 einschlägig Rückfällige (50,0%)

- Nicht-Teilnehmer (n = 39): 28 nicht einschlägig Rückfällige (71,8%); 11 einschlägig Rückfällige (28,2%)

 

Soziales Training (n = 43):

- Teilnehmer (n = 10): 7 nicht einschlägig Rückfällige (70,0%); 3 einschlägig Rückfällige (30,0%)

- Nicht-Teilnehmer (n = 33): 23 nicht einschlägig Rückfällige (69,7%); 10 einschlägig Rückfällige (30,3%)

Einflussfaktoren und Kontexteffekte? i

Im Vollzug gemäß § 64 StGB lag der Schwerpunkt auf der Suchtproblematik, deliktspezifische Behandlungsmaßnahmen wurden kaum durchgeführt. Außerdem wurden insgesamt nur sehr wenige spezifische Behandlungsmaßnahmen für Sexualstraftäter durchgeführt.

Auflistung aller relevanten Indikatoren, Faktoren und Zusammenhangsmaße
Wie kann die Maßnahme erfolgreich umgesetzt und implementiert werden? i

Fazit Wirksamkeit

Es liegen keine belastbaren Erkenntnisse darüber vor, ob Ansatz/Maßnahme Kriminalität reduziert. [?]

Handlungsempfehlungen

Sonstige Anmerkungen zu den Ergebnissen der Studie

Ziele der Studie i

Stufe 2: Die Studie benennt ein klares überprüfbares Untersuchungsziel und beschreibt die Methode.

Eignung des methodischen Zugangs i

Stufe 2: Der methodische Zugang ist geeignet für das Untersuchungsziel der Studie. Es gibt keine (oder kaum) evaluationspraktische Hindernisse bei der Evaluation.

Theoretische Grundlage i

Stufe 2: Die Studie benennt theoretische Annahmen über die Wirkungsweise der Präventionsmaßnahme und stellt einen ausreichenden Bezug zu deren empirischen Überprüfung her.

Interne Validität i
Stufe 2 Mind. zwei Erhebungszeitpunkte (Vor und nach der Intervention), mind. eine Vergleichsgruppe (fixed sample), ohne multivariate statistische Kontrolle
Externe Validität i

Stufe 2: Stichprobe ist repräsentativ für eine größere Teilgruppe innerhalb des gesamten Adressatenkreises der evaluierten Maßnahme (bspw. alle Schüler ab 15 Jahre in NRW), aber es gab Stichprobenverzerrende Probleme beim Samplingverfahren (bspw. zu geringe Stichprobe (n< 30), zu geringe Teilnehmerquoten oder großer Stichproben-Fehler.

Messvalidität (Konstruktvalidität) der Effektgröße (abhängigen Variablen) i

Stufe 4: Die Studie verwendet ein theoretisch verankertes und empirisch bewährtes Messinstrument zur Messung der Effektgröße (die Reliabilität des Instruments wurde empirisch überprüft).

Qualität der Datenauswertung i

Stufe 4: Die Auswertung der empirischen Daten ist nachvollziehbar dokumentiert, erfolgt anhand der geeignetsten Auswertungsmethoden und ohne erkennbaren Fehler.

Ergebnisinterpretation i

Stufe 2: Angemessene, reflektierte und sachliche Interpretation der Ergebnisse; selbstkritische Reflexion möglicher Grenzen und Einschränkungen der Ergebnisse

Interessenkonflikte i

Stufe 2: Unabhängige Evaluation durch externe Einrichtung/Person ohne erkennbaren Interessenkonflikt.

Offene Kritik i

Die Bewertung der methodischen Eignung bezieht sich zum einen auf das auf Seite 130 im Studienbericht beschriebene Forschungsziel, „die empirische Untersuchung der Frage, wie häufig und in welcher Weise einmal verurteilte Sexualstraftäter rückfällig werden und wovon Rückfall bzw. Bewährung abhängen.“

Evidenzindex i

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