Skip to main content

Studienprotokoll
Rückfälligkeit und kriminelle Karrieren von Gewalttätern. Ergebnisse einer bundesweiten Rückfalluntersuchung.

Titel der Studie:

Rückfälligkeit und kriminelle Karrieren von Gewalttätern. Ergebnisse einer bundesweiten Rückfalluntersuchung.

Autor oder Herausgeber:

Harrendorf, S.

Erscheinungsjahr:

2007

Sprache:

Deutsch

Publikationsart:

Buch/Monographie

Name der in der Studie evaluierten Maßnahme(n)

Maßregelvollzug gemäß § 63 StGB, bundesweit

Maßregelvollzug gemäß § 64 StGB, bundesweit

Name der in der Studie evaluierten Präventionsansätze(n)

Stationäre Behandlung

Träger der Maßnahme

Keine Angabe

Durchführende Einrichtung

Göttinger Institut
für Kriminalwissenschaften

Auftraggeber der Evaluation

Keine Angabe

Untersuchungszeitraum:

von 1999/06 bis n.A.

Land

Deutschland

Bundesland

Baden-Württemberg

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

Kurzbeschreibung der Evaluation

„Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit der Rückfälligkeit und den kriminellen Karrieren von Gewalttätern. […] Untersucht wurden sämtliche Personen, die im Bezugsjahr mit einer relevanten Bezugsentscheidung im Bundeszentralregister oder Erziehungsregister eingetragen waren. Diese konnten über einen individuellen Rückfallzeitraum von vier Jahren verfolgt werden.“ (S. VII)

Das vorliegende Studienprotokoll befasst sich nur mit den 2057 Personen (27 Frauen), die ein sexuelles Gewaltdelikt als Bezugsdelikt begangen hatten (1117 mal Vergewaltigung, 912 mal sexuelle Nötigung, 25 mal Vergewaltigung nach DDR-Strafrecht). Davon waren 499 Personen nach Jugendstrafrecht verurteilt worden. 46 Personen waren vor ihrer Entlassung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach § 63 StGB untergebracht gewesen, 31 nach § 64 StGB in einer Entziehungsanstalt.

Es wurden zwar keine Gruppenvergleiche zwischen behandelten und nicht behandelten Personen durchgeführt, allerdings wurden in einer multivariaten Analyse mögliche Einflussvariablen auf die Rückfälligkeit untersucht, darunter auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Evaluationstyp i
  • Wirkungsevaluation oder Summative Evaluation
Empirische Methode i
  • Quantitativ
Was wird gemessen? (Effektmaße) i

Direkte Effektmaße

  • Rückfälligkeit im Hellfeld
Wie wird gemessen? (Empirische Daten) i

Sekundärdaten: Quelle der Daten

  • Eintrag Bundeszentral- und/oder Erziehungsregister
Wie wird gemessen? (Operationalisierung der Effektmaße) i

„Als Bezugsentscheidung wurde bei ambulanten Sanktionen […] das erstinstanzliche Urteil verwendet. Bei Personen, die eine stationäre Sanktion voll verbüßt haben, wurde das Erledigungsdatum als Bezugsdatum eingesetzt. Für diejenigen Probanden schließlich, die aufgrund einer Strafrestaussetzung in Freiheit entlassen wurden, musste, da das BZR kein Entlassungsdatum enthält, ein fiktives Entlassungsdatum verwendet werden. Die Entlassung wurde danach auf den Zeitpunkt vier Monate vor dem Eintrag der Aussetzungsentscheidung in das BZR datiert. Dadurch wurde grundsätzlich gewährleistet, dass sich alle Probanden zu Beginn des Rückfallzeitraumes in Freiheit befanden. Der Bezugszeitraum erstreckt sich vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1994. Bei Strafrestaussetzungen wurden aufgrund des fiktiven Entlassungsdatums Fälle einbezogen, bei denen die Aussetzungsentscheidung zwischen dem 1. Mai 1994 und dem 30. April 1995 eingetragen wurde.“ (S.100-101)

„Die Probanden wurden über einen individuellen Rückfallzeitraum von vier Jahren, also bis maximal Ende Dezember 1998 verfolgt. Bei Strafrestaussetzungen, bei denen bis maximal Ende April 1995 eingetragene Aussetzungsentscheidungen berücksichtigt wurden, endete der individuelle Rückfallzeitraum spätestens Ende April 1999. Die Absammlung der Daten erfolgte im Juni 1999. Die Dauer des Rückfallintervalls wurde mit Rücksicht auf die Tilgungsvorschriften des BZRG so gewählt, dass es zumindest bei Verurteilungen nach Erwachsenenstrafrecht nicht zu einer vorzeitigen Löschung von Datensätzen rückfallfreier Straftäter kommen konnte.“ (S.102)

Es erfolgte eine Validierung der BZR-Auszüge anhand von Daten aus der Strafverfolgungsstatistik. Als Rückfall galt die Begehung einer Tat nach dem Datum der Bezugsentscheidung. Rückfalltaten wurden weiterhin in Delikte derselben Deliktsgruppe (einschlägiger Gewaltrückfall), andere Gewaltdelikte (Gewaltrückfall) und sonstige Delikte differenziert.

Womit wird verglichen? i

Bezugsgröße / Maßstab für den Effekt der Maßnahme

Es gibt keinen Vergleichsmaßstab.

Wie wird die Stichprobe gezogen? i

Nicht repräsentative und qualitative Auswahlverfahren

  • Natürlich vorkommende Gruppe (z.B. Schulklasse; Therapiegruppe)

Wie groß ist die Stichprobe? i

77

Wie groß ist die Grundgesamtheit? i

77

Wie groß ist die Teilnehmerrate oder Rücklaufquote? i

Keine Angabe

Wie groß ist die Abbrecherquote der Teilnehmer? i

Anzahl der Personen:

Keine Angabe

Rate:

Keine Angabe%

Erläuterungen zum Samplingverfahren i

Die Gesamtstichprobe umfasst 947.189 gültige Bezugsentscheidungen. Darunter befinden sich 2054 Personen, die sexuelle Gewaltdelikte begangen hatten. Davon waren 77 vor ihrer Entlassung in einem psychiatrischen Krankenhaus (n = 46) oder einer Entziehungsanstalt (n = 31) untergebracht gewesen.

Skalenniveau der abhängigen Variable(n) (Effektgröße) i

Dichotom

Zusammenhangsmaß i

Für metrische Variablen

Regressionskoeffizient

Verteilung i

Die Studie macht keine Angaben

Welche weiteren Einflussfaktoren wurden kontrolliert i
  • Alter
  • Geschlecht
  • Nationalität
  • Vorstrafen
  • Sanktinonsform
  • Psychiatrische Unterbringung
Wie wurden weitere Einflussfaktoren kontrolliert? i
  • durch multiple Regressionsmodelle (GLM, logistisch, linear)
Ergebnis

Aufgrund der Anlage der Untersuchung ist eine Schlussfolgerung bezüglich der kriminalpräventiven Wirksamkeit der Maßnahmen nicht möglich.

Welche Ergebnisse erzielt die evaluierte Maßnahme oder der Ansatz? i

Rückfälligkeit Gesamtgruppe (n = 2054):

- Delikt derselben Deliktsgruppe: 4,0%

- Anderes Gewaltdelikt: 9,6%

- Sonstiges Delikt: 27,3%

- Keine Wiederverurteilung: 59,1%

 

Rückfälligkeit nach Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (n = 46):

- Delikt derselben Deliktsgruppe: 6,5%

- Anderes Gewaltdelikt: 2,2%

- Sonstiges Delikt: 10,9%

- Keine Wiederverurteilung: 80,4%

 

Rückfälligkeit nach Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (n = 31):

- Delikt derselben Deliktsgruppe: 3,2%

- Anderes Gewaltdelikt: 19,4%

- Sonstiges Delikt: 35,5%

- Keine Wiederverurteilung: 41,9%

 

Ergebnis der logistischen Regression:

- Allgemeine Rückfallwahrscheinlichkeit (alle Delikte) sinkt bei psychiatrischer Unterbringung deutlich (beta = -.9728, p = .0154)

 

Auflistung aller relevanten Indikatoren, Faktoren und Zusammenhangsmaße
Wie kann die Maßnahme erfolgreich umgesetzt und implementiert werden? i

Fazit Wirksamkeit

Es liegen keine belastbaren Erkenntnisse darüber vor, ob Ansatz/Maßnahme Kriminalität reduziert. [?]

Handlungsempfehlungen

Sonstige Anmerkungen zu den Ergebnissen der Studie

Ziele der Studie i

Stufe 2: Die Studie benennt ein klares überprüfbares Untersuchungsziel und beschreibt die Methode.

Eignung des methodischen Zugangs i

Stufe 2: Der methodische Zugang ist geeignet für das Untersuchungsziel der Studie. Es gibt keine (oder kaum) evaluationspraktische Hindernisse bei der Evaluation.

Theoretische Grundlage i

Stufe 2: Die Studie benennt theoretische Annahmen über die Wirkungsweise der Präventionsmaßnahme und stellt einen ausreichenden Bezug zu deren empirischen Überprüfung her.

Interne Validität i
Stufe 1 Mind. zwei Erhebungszeitpunkte (Vor und nach der Intervention), keine Vergleichsgruppe.
Externe Validität i

Stufe 5: Stichprobe (oder Vollerhebung) ist repräsentativ für den gesamten Adressatenkreis der Maßnahme auf dem gesamten Bundesgebiet.

Messvalidität (Konstruktvalidität) der Effektgröße (abhängigen Variablen) i

Stufe 5: Multimethodal - Die Studie verwendet theoretisch verankerte und empirisch bewährte Messinstrumente und setzt mindestens zwei verschiedenen Methoden zur Messung der Effektgröße ein (ein Instrument mindestens Stufe 3 und ein weiteres Instrument mindestens Stufe 1).

Qualität der Datenauswertung i

Stufe 4: Die Auswertung der empirischen Daten ist nachvollziehbar dokumentiert, erfolgt anhand der geeignetsten Auswertungsmethoden und ohne erkennbaren Fehler.

Ergebnisinterpretation i

Stufe 2: Angemessene, reflektierte und sachliche Interpretation der Ergebnisse; selbstkritische Reflexion möglicher Grenzen und Einschränkungen der Ergebnisse

Interessenkonflikte i

Stufe 2: Unabhängige Evaluation durch externe Einrichtung/Person ohne erkennbaren Interessenkonflikt.

Offene Kritik i

Die Bewertung der Studie bezieht sich nicht auf die Eignung zum Wirksamkeitsnachweis, sondern auf das auf Seite 112 beschriebene Ziel der Studie:

„Ziel der Untersuchung ist nicht, festzustellen, mit welchen Sanktionen Gewalttätern effektiv zu begegnen ist. Es geht hier vielmehr um eine tatbezogene Verlaufsanalyse der kriminellen Karrieren von Gewalttätern. Zwar wird auch die Rückfälligkeit in Abhängigkeit von der Art der Sanktionierung der Gewalttäter untersucht, doch Schwerpunkt der Analyse ist […] die Erklärung der gefundenen Unterschiede mit tatbezogenen, nicht mit sanktionsbezogenen Faktoren. Nur dort, wo sich Unterschiede in der Sanktionseffizienz trotz des nicht experimentellen Designs förmlich aufdrängen, finden sich einige Anmerkungen dazu.“

Evidenzindex i

83