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Studienprotokoll
Kriminologische Evaluation der Sozialtherapeutischen Anstalt Halle (Saale)

Titel der Studie:

Kriminologische Evaluation der Sozialtherapeutischen Anstalt Halle (Saale)

Autor oder Herausgeber:

Bussmann, K.-D. & Richter, K.

Erscheinungsjahr:

2013

Sprache:

Deutsch

Publikationsart:

Report/Bericht

Name der in der Studie evaluierten Maßnahme(n)

Sozialtherapeutische Anstalt Halle (Saale)

Name der in der Studie evaluierten Präventionsansätze(n)

Stationäre Behandlung

Träger der Maßnahme

Sozialtherapeutische Anstalt Halle (Saale)

Durchführende Einrichtung

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Professur für Strafrecht und Kriminologie

Auftraggeber der Evaluation

Projektförderung durch Deutsche Forschungsgemeinschaft

Untersuchungszeitraum:

von 2005/08 bis 2012/08

Land

Deutschland

Bundesland

Sachsen-Anhalt

Stadt oder Gemeinde

Halle (Saale)

Kurzbeschreibung der Evaluation

Die vorliegende Studie widmet sich der Frage, „ob die in der Sozialtherapeutischen Anstalt Halle angebotene integrative Behandlung zu einer entscheidenden Verbesserung dynamischer Risikofaktoren führt und schließlich in einer positiven Legalbewährung resultiert.“ (S. 4)

Dazu wurden StraftäterInnen, die zwischen 2001 (Eröffnung der SothA Halle) und 2009 zur Behandlung aufgenommen wurden, bezüglich ihrer Rückfälligkeit und dynamischer Risikofaktoren mit in diesem Zeitraum in anderen sachsen-anhaltischen Regelvollzugsanstalten untergebrachten Straftätern verglichen. Auf die Ergebnisse der dynamischen Risikofaktoren wird im Folgenden nicht weiter eingegangen.

Außerdem konzentriert sich das vorliegende Protokoll auf die Ergebnisse der Teilstichprobe der SexualstraftäterInnen mit einem mindestens zweijährigen Katamnesezeitraum. Dabei handelt es sich um eine Experimentalgruppe (EG) mit n =141 und eine Kontrollgruppe (KG) mit n = 155 ProbandInnen. Der tatsächliche Katamnesezeitraum betrug im Durchschnitt 5,5 Jahre. Angaben zu Alter und Geschlecht der ProbandInnen fehlen im Studienbericht.

Evaluationstyp i
  • Wirkungsevaluation oder Summative Evaluation
Empirische Methode i
  • Quantitativ
Was wird gemessen? (Effektmaße) i

Direkte Effektmaße

  • Rückfälligkeit im Hellfeld
Wie wird gemessen? (Empirische Daten) i

Sekundärdaten: Quelle der Daten

  • Eintrag Bundeszentral- und/oder Erziehungsregister
Wie wird gemessen? (Operationalisierung der Effektmaße) i

Für die TeilnehmerInnen der Sozialtherapie sowie für die VergleichsprobandInnen wurden BZR-Auszüge angefordert. Es wurde ein Katamnesezeitraum von mindestens zwei Jahren festgesetzt.

Die Rückfälligkeit wird sowohl allgemein (alle Delikte) berichtet, als auch separat für einzelne Delikt- und Sanktionsarten. Auch wird die Rückfälligkeit in Abhängigkeit vom Bezugsdelikt dargestellt.

Womit wird verglichen? i

Bezugsgröße / Maßstab für den Effekt der Maßnahme

Mit einer Kontrollgruppe.

Erläuterungen

Die Experimentalgruppe wurde bezüglich ihrer Rückfälligkeit mit einer Kontrollgruppe aus im Regelvollzug untergebrachten Straftätern verglichen. Hierbei wurde auf eine Vergleichbarkeit in wesentlichen Merkmalen (z.B. Art des Bezugsdelikts, Vorstrafen, Therapieeignung) geachtet.

Wie wird die Stichprobe gezogen? i

Nicht repräsentative und qualitative Auswahlverfahren

  • Natürlich vorkommende Gruppe (z.B. Schulklasse; Therapiegruppe)

Wie groß ist die Stichprobe? i

296

Wie groß ist die Teilnehmerrate oder Rücklaufquote? i

Keine Angabe

Wie groß ist die Abbrecherquote der Teilnehmer? i

Anzahl der Personen:

Keine Angabe

Rate:

Keine Angabe%

Erläuterungen zum Samplingverfahren i

Insgesamt wurden in der SothA Halle seit ihrer Eröffnung bis Ende 2009 N = 247 Personen zur therapeutischen Behandlung aufgenommen. Davon erklärten sich 233 zur Teilnahme an der Studie bereit. Aus verschiedenen Gründen begannen nur 218 Gefangene auch tatsächlich mit der Behandlung. Als im August 2012 die Datenerhebung beendet wurde, hatten 173 Personen die Behandlung abgeschlossen („SothA-Teilnehmer“), 29 waren nach Behandlungsabbruch in andere JVAs zurückverlegt worden und 16 Personen befanden sich noch in Behandlung. Bezüglich der Teilstichprobe der SexualstraftäterInnen wiesen 181 der TherapiebeginnerInnen als Bezugsdelikt eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung auf. Davon hatten 145 Personen die Therapie abgeschlossen, 24 abgebrochen und 12 befanden sich noch in der SothA. Ein mindestens zweijähriger Katamnesezeitraum lag für 165 Personen (143 SothA-TeilnehmerInnen und 22 AbbrecherInnen) vor. Davon hatten n = 141 Personen ein Sexualdelikt begangen (Experimentalgruppe).

Im Abschlussbericht und im Anhang werden leider widersprüchliche Angaben bezüglich der ProbandInnen der Vergleichsgruppe gemacht. Deswegen werden die folgenden Angaben unter Vorbehalt in das vorliegende Protokoll übernommen:
Die Vergleichsgruppe wurde aus der Grundgesamtheit der in allen JVAs des Landes Sachsen-Anhalt wegen Sexualdelikten Inhaftierten gezogen. Unter den Entlassenen fanden sich n = 155 ProbandInnen mit einem mindestens zweijährigen Katamnesezeitraum (Kontrollgruppe). Es findet sich also eine Gesamtstichprobe von 296 Personen (EG: 141; KG: 155).

Skalenniveau der abhängigen Variable(n) (Effektgröße) i

Dichotom

Zusammenhangsmaß i

Keine Angabe

Welche weiteren Einflussfaktoren wurden kontrolliert i
  • Art des Bezugsdelikts
  • Vorstrafen
  • Therapieeignung
Wie wurden weitere Einflussfaktoren kontrolliert? i
  • per Design, durch Parallelisierung
Ergebnis

Es zeigen sich deskriptiv keine Gruppenunterschiede in der allgemeinen und einschlägigen Rückfälligkeit. Auf eine inferenzstatistische Auswertung wurde verzichtet. Es kann gleichwohl davon ausgegangen werden, dass die Maßnahme keinen signifikanten kriminalpräventiven Effekt erzielt.

Welche Ergebnisse erzielt die evaluierte Maßnahme oder der Ansatz? i

Aus den Angaben im Abschlussbericht sowie aus den Tabellen im Anhang lassen sich die folgenden Rückfallraten für die Teilstichprobe der SexualstraftäterInnen errechnen:

 

Von den 141 ProbandInnen der Experimentalgruppe wurden

- 56 ( 39,7%) mit irgendeinem Delikt rückfällig.

- 11 (7,8%) mit einem Sexualdelikt rückfällig.

 

Von den 155 ProbandInnen der Kontrollgruppe wurden

- 45,8% mit irgendeinem Delikt rückfällig.

- 6,7% mit einem Sexualdelikt rückfällig.

Einflussfaktoren und Kontexteffekte? i

Die Auswahl der ProbandInnen für die Sozialtherapie, das Angebot und die Rahmenbedingungen der SothA Halle sowie die Lebenssituation nach der Haftentlassung werden als mögliche Gründe für das schlechte Outcome diskutiert.

Wie kann die Maßnahme erfolgreich umgesetzt und implementiert werden? i

Auf S. 6 des Abschlussberichts wird das Konzept der SothA Halle beschrieben.

Fazit Wirksamkeit

Ansatz/Maßnahme hat keinen signifikanten Einfluss auf Kriminalität. (n.s.) [0]

Handlungsempfehlungen

Auf S. 11 ff. des Abschlussberichtes nennen die AutorInnen Kritikpunkte bezüglich der Durchführung der Sozialtherapie. Auf S. 18 werden die folgenden Neuerungen vorgeschlagen:
- „Einführung eines strukturierten, landeseinheitlichen Auswahlverfahrens
- Ausweitung der sozialtherapeutischen Angebots und stärkere Berücksichtigung Sozialer Arbeit
- Ausbau des ‚therapeutischen Milieus‘
- Möglichkeit der Gewährung von Lockerungen durch die Anstalt
- Einführung eines Übergangsmanagements
- Ausbau der externen Relapse Prevention“

Sonstige Anmerkungen zu den Ergebnissen der Studie

Ziele der Studie i

Stufe 2: Die Studie benennt ein klares überprüfbares Untersuchungsziel und beschreibt die Methode.

Eignung des methodischen Zugangs i

Stufe 1: Der methodische Zugang ist prinzipiell geeignet für das Untersuchungsziel der Studie, gleichzeitig wäre ein anderes Studiendesign geeigneter gewesen.

Theoretische Grundlage i

Stufe 2: Die Studie benennt theoretische Annahmen über die Wirkungsweise der Präventionsmaßnahme und stellt einen ausreichenden Bezug zu deren empirischen Überprüfung her.

Interne Validität i
Stufe 3 Mind. zwei Erhebungszeitpunkte (Vor und nach einer Intervention), mind. eine Vergleichsgruppe für die Äquivalenz per nicht-randomisierter Zuweisungstechnik hergestellt wurde (Matching, Parallelisierung)
Externe Validität i

Stufe 4: Vollerhebung einer größeren Teilgruppe innerhalb des gesamten Adressatenkreises der evaluierten Maßnahmen. Beispiel: Vollerhebung aller Schüler in NRW deckt gleichzeitig den Adressatenkreis der Maßnahme (bspw. stadtteilbasiertes Präventionsprogramm) (überwiegend) mit ab.

Messvalidität (Konstruktvalidität) der Effektgröße (abhängigen Variablen) i

Stufe 4: Die Studie verwendet ein theoretisch verankertes und empirisch bewährtes Messinstrument zur Messung der Effektgröße (die Reliabilität des Instruments wurde empirisch überprüft).

Qualität der Datenauswertung i

Stufe 1: Die Auswertung ist lückenhaft oder unverständlich dokumentiert, erscheint nach Einschätzung der gegebenen Informationen aber plausibel.

Ergebnisinterpretation i

Stufe 2: Angemessene, reflektierte und sachliche Interpretation der Ergebnisse; selbstkritische Reflexion möglicher Grenzen und Einschränkungen der Ergebnisse

Interessenkonflikte i

Stufe 2: Unabhängige Evaluation durch externe Einrichtung/Person ohne erkennbaren Interessenkonflikt.

Offene Kritik i

Bezüglich der Qualität der Auswertung wird bemängelt, dass die Zusammensetzung der Vergleichsgruppe, deren Größe zudem zwischen den einzelnen Darstellungen variiert, unklar bleibt.

Evidenzindex i

70