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Studienprotokoll
Untersuchung zur Legalbewährung der Teilnehmer an VPN-Trainingskursen im Jugendstrafvollzug

Titel der Studie:

Untersuchung zur Legalbewährung der Teilnehmer an VPN-Trainingskursen im Jugendstrafvollzug

Autor oder Herausgeber:

Lukas, H.

Erscheinungsjahr:

2012

Sprache:

Deutsch

Publikationsart:

Report/Bericht

Von den 188 Teilnehmern am VPN-Trainingskurs, die die Grundgesamtheit der hier vorliegenden Untersuchung bilden, erhielten 33 (17,6%) für ihre Rückfalltat eine Jugend-/Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Nur 25 (13,3%) wurden aufgrund erneuter Gewaltdelikte wieder inhaftiert. Vergleicht man dies mit den Ergebnissen der Vergleichsuntersuchungen, dann kommt es zu einer Verminderung der Re-Inhaftierungsquote um 61% bei der Gesamtheit der Rückfälle bzw. 68% bei den Gewaltrückfällen.
Der hohe Anteil der nicht-rückfälligen Gewalttäter und die wesentlich geringere Re-Inhaftierungsquote der VPN-Trainingskursteilnehmer im Rückfallzeitraum deuten darauf hin, dass die Teilnahme am Trainingskurs in Bezug auf die Legalbewährung und die schwerste Folgesanktion deutlich positive Effekte zeigt.
Auffällig ist die hohe Zahl der Rückfälle aufgrund von Delikten in den Bereichen „Diebstahl und Unterschlagung“ (§§ 242-288c), „Betrug und Untreue“ (§§ 263-266b) und „Urkundenfälschung“ (§§ 267-282). Diese Deliktbereiche lassen einen Rückschluss auf die oftmals schwierige Einkommenssituation von ehemaligen Strafgefangenen zu.
Die Grundgesamtheit der hier vorliegenden Untersuchung setzt sich zusammen aus Teilnehmern der Trainingsprogramme von Violence Prevention Network aus einer Zeit (2003 bis 2009), in der das Stabilisierungscoaching noch nicht umfassend angeboten werden konnte. Die Forschungshypothese, dass die Rückfallquote der nachbetreuten Teilnehmer geringer ist, als die der nicht nachbetreuten Teilnehmer kann auf Basis der hier zu Grunde liegenden Grundgesamtheit nicht beantwortet werden. Im genannten Zeitraum wurde das Betreuungsangebot nur denjenigen Teilnehmern offeriert, die von den Trainer/innen als besonders rückfallgefährdet eingeschätzt wurden.
Die Ergebnisse aus der Untersuchung wurden größtenteils erwartet, da die Teilnehmerdaten teilweise bis zu vier Jahre alt sind und entsprechende Verhaltensmuster und Entwicklungen von den Trainer/innen in der Vergangenheit bereits beobachtet wurden. Daher wurden schon vor einiger Zeit Modifikationen und Ergänzungen des Konzepts vorgenommen, um im Sinne eines zielführenden Übergangsmanagements eine Vielzahl von Delikten zu vermeiden. Das Stabilisierungscoaching wurde bspw. dahingehend erweitert, dass Themen wie Schulden, Integration in Arbeit oder Absicherung des Wohnraums ein höherer Stellenwert zukam.

Name der in der Studie evaluierten Maßnahme(n)

VPN-Trainingskurse im Jugendstrafvollzug

Name der in der Studie evaluierten Präventionsansätze(n)

Deradikalisierung

Träger der Maßnahme

Violence Prevention Network

Durchführende Einrichtung

Violence Prevention Network

Auftraggeber der Evaluation

Keine Angabe

Untersuchungszeitraum:
keine Angabe
Land

Deutschland

Kurzbeschreibung der Evaluation

Der Evaluationsbericht greift auf Daten aus dem Bundeszentralregister (BZR) zurück um die Legalbewährung der Teilnehmer an VPN-Trainingskursen im Jugendstrafvollzug zu untersuchen. Die Rückfalldaten werden hinsichtlich der Rückfallquote, der Rückfallschnelligkeit und der Rückfallschwere ausgewertet.

Evaluationstyp i
  • Wirkungsevaluation oder Summative Evaluation
Empirische Methode i
  • Quantitativ
Was wird gemessen? (Effektmaße) i

Direkte Effektmaße

  • Rückfälligkeit im Hellfeld
Wie wird gemessen? (Empirische Daten) i

Sekundärdaten: Quelle der Daten

  • Eintrag Bundeszentral- und/oder Erziehungsregister
Wie wird gemessen? (Operationalisierung der Effektmaße) i

Rückfall- und Re-Inhaftierungsquoten von Teilnehmern wurden mit Ergebnissen anderer Untersuchungen verglichen.

Womit wird verglichen? i

Bezugsgröße / Maßstab für den Effekt der Maßnahme

Mit dem Zustand vor Beginn der Maßnahme.

Mit den Ergebnissen aus anderen Evaluationen und Studien.

Erläuterungen

Die BZR-Daten werden hinsichtlich der Rückfallquote, der Rückfallschnelligkeit sowie der Rückfallschwere ausgewertet.
Ergebnisse werden mit denen anderer Untersuchungen zu tertiären Präventionsprogrammen verglichen.

Wie wird die Stichprobe gezogen? i

Nicht repräsentative und qualitative Auswahlverfahren

  • Natürlich vorkommende Gruppe (z.B. Schulklasse; Therapiegruppe)

Wie groß ist die Stichprobe? i

188

Wie groß ist die Grundgesamtheit? i

192

Wie groß ist die Teilnehmerrate oder Rücklaufquote? i

0

Wie groß ist der Stichprobenfehler? i

0

Wie groß ist die Abbrecherquote der Teilnehmer? i

Anzahl der Personen:

0

Rate:

0%

Erläuterungen zum Samplingverfahren i

Keine Angabe

Skalenniveau der abhängigen Variable(n) (Effektgröße) i

Dichotom

Zusammenhangsmaß i

Keine Angabe

Verteilung i

Die Studie macht keine Angaben

Welche weiteren Einflussfaktoren wurden kontrolliert i
  • Keine Angabe
Wie wurden weitere Einflussfaktoren kontrolliert? i
  • Keine Drittfaktorkontrolle
Ergebnis

Nach Einschätzung des Autors deuten die Ergebnisse der Evaluation darauf hin, dass die VPN-Trainingskurse in Bezug auf die Legalbewährung der Teilnehmer positive Effekte zeigen. Allerdings weist der Autor ausdrücklich darauf hin, dass die ermittelten Ergebnisse der Evaluation wenig Aussagekraft besitzen.
Zum einen wird dies damit begründet, dass ein Vergleich von Ergebnissen zeitlich weit auseinanderliegender Untersuchungen mit jeweils unterschiedlichen Zielgruppen und Treatments einen nur sehr begrenzten Aussagewert besitzen. Zudem können wesentliche Einflussfaktoren, wie unterschiedliche familiäre Unterstützungssysteme, soziale Lebensumstände sowie unterschiedliche Integrationsmöglichkeiten in Ausbildung, Beruf und Beschäftigung im Rahmen der Evaluation nicht kontrolliert werden. Zugleich wird diesen Einflussfaktoren jedoch eine hohe Bedeutung für eine gelingende Integration und Rückfallvermeidung nach der Haftentlassung beigemessen.

Welche Ergebnisse erzielt die evaluierte Maßnahme oder der Ansatz? i

Von den 188 Teilnehmern am VPN-Trainingskurs, die die Grundgesamtheit der hier vorliegenden Untersuchung bilden, erhielten 33 (17,6%) für ihre Rückfalltat eine Jugend-/Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Nur 25 (13,3%) wurden aufgrund erneuter Gewaltdelikte wieder inhaftiert. Vergleicht man dies mit den Ergebnissen der Vergleichsuntersuchungen, dann kommt es zu einer Verminderung der Re-Inhaftierungsquote um 61% bei der Gesamtheit der Rückfälle bzw. 68% bei den Gewaltrückfällen.

Einflussfaktoren und Kontexteffekte? i

Eine Kontrolle von - für wesentlich erachteten - Einflussfaktoren auf die Rückfälligkeit und Re-Inhaftierungsquote war im Rahmen der Evaluation nicht möglich.

Wie kann die Maßnahme erfolgreich umgesetzt und implementiert werden? i

Fazit Wirksamkeit

Es liegen keine belastbaren Erkenntnisse darüber vor, ob Ansatz/Maßnahme Kriminalität reduziert. [?]

Handlungsempfehlungen

Sonstige Anmerkungen zu den Ergebnissen der Studie

Trotz der methodischen Einschränkungen sind die Ergebnisse der Untersuchung insofern hervorzuheben, als die Studie überhaupt einen Anhaltspunkt für einen kriminalpräventiven Effekt beinhaltet.

Ziele der Studie i

Stufe 2: Die Studie benennt ein klares überprüfbares Untersuchungsziel und beschreibt die Methode.

Eignung des methodischen Zugangs i

Stufe 1: Der methodische Zugang ist prinzipiell geeignet für das Untersuchungsziel der Studie, gleichzeitig wäre ein anderes Studiendesign geeigneter gewesen.

Theoretische Grundlage i

Stufe 1: Die Studie benennt theoretische Annahmen über die Wirkungsweise der Präventionsmaßnahme, stellt aber keinen (ausreichenden) Bezug zu dessen empirischen Überprüfung her.

Interne Validität i
Stufe 1 Ein Erhebungszeitpunkt, mind. eine (nicht äquivalente) Vergleichsgruppe, bei der relevante Einflussfaktoren mit geeigneten multivariaten statistischen Methoden kontrolliert wurden. Z.B. cross-sectional studies mit Auswertung durch multivariate Verfahren (multiple Regressionsmodelle, Mehrebenenanalyse, SEM)
Externe Validität i

Stufe 0: Die Stichprobe ist nicht repräsentativ: Die Ergebnisse sind nur für die Teilnehmer der Studie gültig

Messvalidität (Konstruktvalidität) der Effektgröße (abhängigen Variablen) i

Stufe 2: Augenscheinliche Validität und theoretische Validität - Die Studie verwendeten augenscheinlich gute und theoretisch begründete Indikatoren (und/oder kodifizierte Verfahren) zur Messung der Effektgröße

Qualität der Datenauswertung i

Stufe 2: Die Auswertung ist nachvollziehbar dokumentiert und augenscheinlich plausibel. Es werden aber wichtige Annahmen/Voraussetzungen zur Anwendung der Methode verletzt (z. B. zu geringer Stichprobenumfang, fehlerhafte Annahmen über die Verteilung, oder Skalenmaße. Bei qualitativen Auswertungsmethoden erfolgt keine Interpretation in Gruppen und/oder Intercoderanalyse.

Eine kritische Auseinandersetzung über die Einschränkungen (Verletzung von Annahmen und/oder fehlende Intercoderanalyse) erfolgt nicht, o

Ergebnisinterpretation i

Stufe 2: Angemessene, reflektierte und sachliche Interpretation der Ergebnisse; selbstkritische Reflexion möglicher Grenzen und Einschränkungen der Ergebnisse

Interessenkonflikte i

Stufe 2: Unabhängige Evaluation durch externe Einrichtung/Person ohne erkennbaren Interessenkonflikt.

Evidenzindex i

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