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Studienprotokoll
Evaluation des Modellprojekts „Demokratisches und soziales Handeln als Schlüsselqualifikation für Beruf, Ausbildung und gesellschaftliche Integration. Entwicklung eines Maßnahmesets sozialer, soziokultureller und politischer Bildung zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“

Titel der Studie:

Evaluation des Modellprojekts „Demokratisches und soziales Handeln als Schlüsselqualifikation für Beruf, Ausbildung und gesellschaftliche Integration. Entwicklung eines Maßnahmesets sozialer, soziokultureller und politischer Bildung zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt“

Autor oder Herausgeber:

Lukas, V.

Erscheinungsjahr:

2006

Sprache:

Deutsch

Publikationsart:

Report/Bericht

Name der in der Studie evaluierten Maßnahme(n)

VPN-Trainingskurse im Jugendstrafvollzug mit Stabilisierungscoaching

Name der in der Studie evaluierten Präventionsansätze(n)

Deradikalisierung

Träger der Maßnahme

Violence Prevention Network (VPN)

Durchführende Einrichtung

social.consult

Auftraggeber der Evaluation

Keine Angabe

Untersuchungszeitraum:

von 2001/01 bis 2005/12

Land

Deutschland

Bundesland

Brandenburg

Kurzbeschreibung der Evaluation

Die Evaluation beschreibt das Konzept und die Umsetzung eines pädagogischen Angebots, das sich an Jugendgewaltstraftäter (mit und ohne rechtsextremen Tathintergrund) in fünf Jugendhaftanstalten in Brandenburg richtet, die zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Die Studie ist qualitativ angelegt und bezieht sich auf leifadenstützte Gruppen- und Einzelinterviews mit Maßnahmeteilnehmern (nach Gruppentraining und Nachbetreuung), Trainern (mit ein bis zwei Jahren Projekterfahrung) und Bediensteten der JVA zu Erfahrungen mit dem Konzept und der Umsetzung der Maßnahme (Gruppentrainings und Nachbetreuung). Darüber hinaus standen Trainerprotokolle zur Auswertung zur Verfügung. Als konzeptionelle Neuerung wird die einjährige Nachbetreuungsphase nach Haftentlassung beschrieben.
Resümierend trifft die Evaluation Aussagen zur Abbruchquote in den Trainingsgruppen und zur Legalbewährung der Teilnehmer aus der Nachbetreuung.

Evaluationstyp i
  • Formative oder Prozessevaluation
Empirische Methode i
  • Qualitativ
Was wird gemessen? (Effektmaße) i

Der direkte oder indirekte Effekt der Maßnahme auf Kriminalität wurde gar nicht untersucht.

Wie wird gemessen? (Empirische Daten) i

Primär und Sekundärdaten

  • Qualitativ : Semi-strukturiertes Interview
  • Interne Daten des Projektträgers
Wie wird gemessen? (Operationalisierung der Effektmaße) i

Beobachtet wurde die Legalbewährung der Teilnehmer über ein Jahr nach der Haftentlassung (während der Nachbetreuung). Suchtverhalten oder erneute Einbindung in rechtsextreme Szenen wurde nicht als Rückfall gewertet. Insgesamt treffen die Autoren der Evaluation nur sehr allgemeine Aussagen zur Legalbewährung. Es werden keine konkreten Fallzahlen und -verläufe berichtet.

Womit wird verglichen? i

Bezugsgröße / Maßstab für den Effekt der Maßnahme

Es gibt keinen Vergleichsmaßstab.

Wie wird die Stichprobe gezogen? i

Nicht repräsentative und qualitative Auswahlverfahren

  • Natürlich vorkommende Gruppe (z.B. Schulklasse; Therapiegruppe)
  • ad hoc Auswahl (Teilnehmer werden gezielt auf Grund einer bestimmten Eigenschaft ausgewählt, z. B. Experten)

Wie groß ist die Stichprobe? i

112

Wie groß ist die Grundgesamtheit? i

Keine Angabe

Wie groß ist die Teilnehmerrate oder Rücklaufquote? i

Keine Angabe

Wie groß ist der Stichprobenfehler? i

Keine Angabe

Wie groß ist die Abbrecherquote der Teilnehmer? i

Anzahl der Personen:

0

Rate:

Keine Angabe%

Erläuterungen zum Samplingverfahren i

Das Sample besteht aus Teilnehmern der Maßnahme, Trainern und Bediensteten der jeweiligen Haftanstalten.
Von den 112 Trainingsteilnehmern wurden 39 in das anschließende Nachbetreuungsprogramm aufgenommen. Die Teilnahme erfolgte freiwillig. Teilnehmer, die in die Maßnahme aufgenommen wurden, mussten die vorhergehende Trainingsphase (20 Trainingseinheiten à ein halber Tag) vor Haftentlassung durchlaufen. Diese zeitliche Limitierung schränkte die Zahl der in Frage kommenden Teilnehmer ein. Die Teilnehmer sind durchweg jugendliche Gewaltstraftäter, die zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden sind, jedoch nur in Einzelfällen mit rechtsextremen Straftathintergrund. In anderen Fällen sind Teilnehmer der rechtsextremen Szene zuzuordnen, jedoch wegen anderer Straftatdelikte inhaftiert. Häufig, aber nicht ausschließlich, sind Teilnehmer mit rechtsextremem Hintergrund eher der Kategorie Mitläufer zuzuordnen.
Es kam im Verlauf der Maßnahme zu sieben Maßnahmeabbrüchen und somit auch zu einer Verminderung der Fallzahlen. Die häufigsten Abbruchursachen waren massive Alkohol-/Drogensucht (vgl. Lukas 2006, S. 52).
An der Nachbetreuung nahmen aus finanziellen Gründen nur 39 Personen teil. Dies ist etwa jeder dritte Maßnahmeteilnehmer.

Skalenniveau der abhängigen Variable(n) (Effektgröße) i

Keine abhängige Variable vorhanden

Zusammenhangsmaß i

Keine Angabe

Verteilung i

Die Studie macht keine Angaben

Welche weiteren Einflussfaktoren wurden kontrolliert i
  • Keine Angabe
Ergebnis

Die Autoren der Evaluation gehen von einer positiven kriminalpräventiven Wirkung der Maßnahme aus. Fast alle Teilnehmer, die eine Nachbetreuung erhalten haben, sind auch ein Jahr nach der Haftentlassung strafffrei. Die Autoren nennen jedoch keine konkreten Fallzahlen. Aufgrund der Untersuchungsmethode sind zudem keine Rückschlüsse über die Wirksamkeit der Maßnahme möglich.

Welche Ergebnisse erzielt die evaluierte Maßnahme oder der Ansatz? i
Keine Angabe
Wie kann die Maßnahme erfolgreich umgesetzt und implementiert werden? i

Den Autoren zufolge bietet das Stabilisierungscoaching über eine durchgehende Betreuung in Haft und Bewährungszeit konzeptionell die Möglichkeit der begleiteten Erprobung (Realbewährung) der im JVA Trainingskurs gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten außerhalb der Haftanstalt. Durch die Betreuungskontinuität würde der kritische Übergang zwischen Haft und Freiheit abgefedert. So gaben die befragten Teilnehmer an, dass die Beziehung zu den Trainern ihre Fähigkeit in kritischen Situationen nach der Haftentlassung Hilfe und Rat zu suchen beeinflusse. Dies könnte den Autoren zufolge potentiell die Risiken eines Rückfalls in gewalttätiges Verhalten mindern.

Die Autoren merken zudem an, dass Personen aus dem harten Kern der rechtsextremen Szene in der Regel nicht mit der Maßnahme erreicht werden können (vgl. Lukas 2006, S. 75). Kernzielgruppe seien vielmehr Mitläufer und gewaltbereite Jugendliche ohne rechtsextreme ideologische Bezüge.

Das Gruppentraining wird in diesem Zusammenhang als wichtige Voraussetzung für die Nachbetreuung gewertet. Denn hier würde die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Trainer und Teilnehmer, für kommunikative Kompetenzen und Eigenverantwortung auf Seiten der Teilnehmer gelegt, die sich in Freiheit bewähren sollen. Der Tragfähigkeit der Beziehung zwischen Trainer und Teilnehmer wird ein hoher Stellenwert zur gelingenden Umsetzung beigemessen. Der Beziehungsfähigkeit und dem hohen Professionalisierungsgrad der Trainer (Zusatzausbildungen in Mediation und anderen sozialtherapeutischen Methoden) wird auch die positive Bewertung der Umsetzung zugeschrieben.

Bezüglich der inhaltlichen Gestaltung der Maßnahme haben sich für die Einstellung- und Verhaltensänderung laut Autoren Methoden und Techniken als erfolgversprechend herausgestellt, die die Vermittlung von Selbsteinsichten und Reflexion fördern, die dialogisch angelegt sind und mit denen ein Zuwachs an sozialer und kreativer Kompetenz ermöglicht werden könne.

Konzeptionelle Herausforderungen seien bei der Synchronisierung der Maßnahme mit dem System Haftanstalt entstanden. Der Trainingsplan könne von Entschlüssen der Justiz durchkreuzt werden. Vorzeitige Haftentlassungen könnten im Einzelfall zu einem plötzlichen Abbruch des Trainings führen. Dass diese Abbrüche in der Phase einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Gefühlswelt negative Konsequenzen nach sich ziehen könnten, sei dabei laut Autoren nicht auszuschließen. Darüber hinaus bestünden für ein externes Projekt auch Herausforderungen hinsichtlich der Koordination mit Bediensteten der Haftanstalten. Vereinbarte Räumlichkeiten und Zeiten würden nicht immer eingehalten. Die Trainer vermissten häufig die Anerkennung der Bediensteten gegenüber dem Projekt. Nicht in allen Fällen seien Bedienstete dem Projekt gegenüber positiv eingestellt.

Fazit Wirksamkeit

Es liegen keine belastbaren Erkenntnisse darüber vor, ob Ansatz/Maßnahme Kriminalität reduziert. [?]

Handlungsempfehlungen

Sonstige Anmerkungen zu den Ergebnissen der Studie

Ziele der Studie i

Stufe 1: Die Studie benennt ein klares überprüfbares Untersuchungsziel (oder dieses Ziel ist offensichtlich), beschreibt aber nicht dessen methodische Operationalisierung.

Eignung des methodischen Zugangs i

Stufe 1: Der methodische Zugang ist prinzipiell geeignet für das Untersuchungsziel der Studie, gleichzeitig wäre ein anderes Studiendesign geeigneter gewesen.

Theoretische Grundlage i

Stufe 1: Die Studie benennt theoretische Annahmen über die Wirkungsweise der Präventionsmaßnahme, stellt aber keinen (ausreichenden) Bezug zu dessen empirischen Überprüfung her.

Interne Validität i
Stufe 0 Ein Erhebungszeitpunkt, keine Vergleichsgruppe.
Externe Validität i

Stufe 0: Die Stichprobe ist nicht repräsentativ: Die Ergebnisse sind nur für die Teilnehmer der Studie gültig

Messvalidität (Konstruktvalidität) der Effektgröße (abhängigen Variablen) i

Stufe 0: Die Studie macht keine oder unzureichende Angaben darüber, wie die Effektgrößen operationalisiert sind.

Qualität der Datenauswertung i

Stufe 1: Die Auswertung ist lückenhaft oder unverständlich dokumentiert, erscheint nach Einschätzung der gegebenen Informationen aber plausibel.

Ergebnisinterpretation i

Stufe 1: Angemessene, reflektierte und sachliche Interpretation der Ergebnisse; unzureichende Diskussion möglicher Grenzen und Einschränkungen der Ergebnisse.

Interessenkonflikte i

Stufe 2: Unabhängige Evaluation durch externe Einrichtung/Person ohne erkennbaren Interessenkonflikt.

Offene Kritik i

Die Entwicklung verschiedener Betreuungsmodelle in der Nachbetreuungsphase stellt eine wertvolle Systematisierung von Erkenntnissen zu Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit Teilnehmern der Maßnahme dar.

Die Autoren messen pädagogischen Interventionen, die die Vermittlung von Selbstreflexion und -einsicht in den Vordergrund stellen höheres Wirkpotential zu als Maßnahmen und Interventionen, die auf Konfrontation, Belehrung und Sanktionsandrohung beruhen. Allerdings unternimmt die Evaluation keinen systematischen Vergleich zu (Wechsel-)Wirkungen verschiedener Maßnahmen.

Die Evaluation beruht nicht auf einem systematischen Vergleich zwischen Teilnehmern, die eine Nachbetreuung erfahren und Teilnehmern ohne Nachbetreuung. Zudem werden keine konkreten Angaben zu Anzahl und Gründen erneuter Straffälligkeit gemacht.

Evidenzindex i

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