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Regelmäßig rücken spektakuläre Fälle von Sexualkriminalität in den Fokus öffentlicher Wahrnehmung. In der öffentlichen Debatte um den richtigen Umgang mit Sexualstraftätern fordern viele von der Politik eine Verschärfung der bestehenden Sanktionen. Beim Gesetzgeber gewinnt aber auch die therapeutische Behandlung von Straftätern mittlerweile an Bedeutung. Viele Studien weisen nämlich darauf hin, dass die richtige psychotherapeutische Behandlung Rückfälle von Sexualstraftätern effektiv verhindern kann. Jedoch hängt der tatsächliche Erfolg einer solchen Behandlung von vielen Faktoren ab, wie beispielsweise von Merkmalen des Täters, der richtigen Therapiemethode und des passenden Behandlungssettings.

Die Gruppe der Sexualstraftäter ist sehr heterogen. Sie unterscheidet sich u. a. hinsichtlich der Deliktformen, der dahinter liegenden psychischen Störungsbilder und letztlich des Gefahrenpotentials. Bei der Auswahl geeigneter Behandlungsmaßnahmen müssen daher viele Aspekte berücksichtigt werden. Generell weisen aktuelle Studien darauf hin, dass die Behandlung von Sexualstraftätern erfolgreicher ist, wenn sie ambulant statt innerhalb des Strafvollzugs durchgeführt wird. Auch aus klinischer Sicht spricht ein offener (und damit realitätsnaher) Behandlungsrahmen in Freiheit für größere Erfolgsaussichten.

Seit einigen Jahren untersuchen Wissenschaftler in Deutschland die Wirksamkeit ambulanter Präventionsmaßnahmen, wie z.B. Angebote der forensischen Nachsorge für entlassene Maßregelvollzugspatienten. Alle diese Studien weisen darauf hin, dass diese Maßnahmen Rückfallraten senken. Allerdings haben viele dieser Evaluationsstudien methodische Schwachstellen, die die Verlässlichkeit der ansonsten wertvollen Befunde einschränken.

Vor diesem Hintergrund erstellt das NZK eine Übersicht über die vorhandenen Erkenntnisse zur Wirksamkeit ambulanter Sexualstraftäterbehandlung in Deutschland. Diese Übersicht nimmt Bezug auf die unterschiedliche Tätertypen und Behandlungsansätze. Im weiteren Verlauf bezieht die Evaluationssynthese auch Ergebnisse aus internationalen Studien ein.

Weiterführende Literatur

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Benjamin Pniewski