Skip to main content

Jugendkriminalität ist ein alltägliches Phänomen in unserer Gesellschaft. Die meisten jugendlichen Straftäter handeln allerdings nur episodenhaft kriminell. Eine kleine Gruppe von „Intensivtätern“ hingegen begeht überdurchschnittlich viele und besonders schwere Delikte. Diese Gruppe steht im Fokus zahlreicher kriminalpräventiver Maßnahmen.

Viele dieser Maßnahmen tragen dem Umstand Rechnung, dass kriminelle Karrieren junger Menschen meistens in schwierige Lebensumstände eingebettet sind: familiäre-, schulische-, finanzielle-, und soziale Probleme, Drogenmissbrauch und problematische Freundeskreise (peers) sind häufige Begleiterscheinungen von Mehrfachauffälligkeit.

Dementsprechend haben jugendliche Mehrfach- und Intensivtäter oftmals noch vor Eintritt in das strafmündige Alter Kontakt zu Einrichtungen der Jugend- und Familienhilfe sowie zu Strafverfolgungsbehörden.

Eine genaue Eingrenzung der Tätergruppe ist schwierig. Der Begriff „Intensivtäter“ stammt aus der polizeilichen Praxis und bezeichnet eine Person, die in einem festgelegten Zeitraum für eine bestimmte Anzahl von Delikten tatverdächtig ist. Allerdings fehlt bisher eine einheitliche Definition des Begriffs. Wer als Intensivtäter erfasst wird, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. In der Jugendhilfe ist Bezeichnung „Intensivtäter“ nicht gebräuchlich.

Junge Intensivtäter werden in Deutschland durch polizeiliche, behördenübergreifende, verfahrenstechnische sowie (sozial-)pädagogische Ansätze adressiert. Diese Ansätze verfolgen jeweils unterschiedliche Ziele. Polizeiliche Maßnahmen sollen den Fahndungsdruck erhöhen, Maßnahmen der Jugendhilfe sollen u.a. die emotionalen und sozialen Kompetenzen junger Straftäter erhöhen, und behördenübergreifende Zusammenarbeit zielt auf die bessere Koordination ab.

Entsprechend unterschiedlich gestaltet sich die Evaluation dieser Ansätze. Ein erster Überblick über die vorliegenden Studien zeigt, dass für Wirksamkeitsuntersuchungen der Programme häufig keine Rückfalldaten herangezogen werden. Stattdessen werden oftmals psychometrische Selbstauskunftsskalen angewandt, die etwa die Wahrnehmung der eigenen Aggressivität erfassen. Eine solche Wahrnehmung steht aber nicht notwendigerweise in direktem Zusammenhang mit der tatsächlichen Legalbewährung. Ein Blick auf andere Länder zeigt, dass behaviorale und kognitiv-behaviorale Programme die größte Wirkung auf eine positive Legalbewährung haben.

Weiterführende Literatur

  • Albrecht, H.-J., (1998): Jugend und Gewalt, Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 81 (6), 381-398.
  • Bliesener, T. (2010): Gewalttätige Jugendliche - Evaluation von Maßnahmen der Jugendstrafrechtspflege: Soziale Trainingskurse, Anti-Aggressions- bzw. Anti-Gewalt-Trainings, Berliner Forum Gewaltprävention 12 (41), 149-158.
  • Holthusen, B. (2011): Projekt: Polizeilich mehrfach auffällige Strafunmündige. Ergebnisbericht für die Fachpraxis.
  • Kindler, H. (2013): Gewalttätige Jugendliche mit einer Geschichte als misshandeltes Kind, Entwicklungswege zwischen Kinderschutz und Jugendstrafrecht, Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe 24 (2), 138-143.
  • Lösel, F. & Beelmann, A. (2005): Social Problem-Solving Programs for Preventing Antisocial Behavior in Children and Youth. In M. McMurran, J. McGuire (Hrsg.), Wiley series in forensic clinical psychology: Social problem solving and offending. Evidence, evaluation, and evolution (127-145), Chichester.
  • Lösel, F. & Beelmann, A. (2006): Child Social Skills Training. In B. Welsh & D. P. Farrington (Hrsg.), Preventing crime. What works for children, offenders, victims, and places (33-57), Dordrecht.
  • Meier, J. (2015): Jugendliche Gewalttäter zwischen Jugendhilfe- und krimineller Karriere. Abschlussbericht.
  • Steffen, W. (2003): Mehrfach- und Intensivtäter: Aktuelle Erkenntnisse und Strategien aus dem Blickwinkel der Polizei, Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe 14 (2), 152-158.
  • Walsh, Maria (2014): Der Umgang mit jungen Intensivtätern im Deutschen Justizsystem. In: Recht der Jugend und des Bildungswesens, 3, 347-362.

Kontakt

Dieser Themenschwerpunkt wir bearbeitet von:

Dr. Maria Walsh